Haltung von Vogelspinnen
 

Allgemeines zur Haltung von Vogelspinnen


Terrarium:

Der Größe und Lebensweise des Bewohners angepasst, Standartmaße sind z.B.
30x30x30 cm für mittelgroße Bodenbewohner, 25x25x40 für Baumbewohner.

Bodengrund:


Torf gemischt mit Walderde bzw. Sand.

Beleuchtung/Temperatur:


Beleuchtung ist nicht zwingend notwendig, die meisten Spinnen lassen sich bei einer erhöhten Raumtemperatur von 25 °C gut pflegen.
Klimadiagramme des Verbreitungsgebietes zeigen oft nicht die Werte des Spinnenhabitats, da die wenigsten Messstationen mitten im tropischen Regenwald am Boden stehen.
Ferner können diese Messstationen nicht das Mikroklima im Unterschlupf der Spinnen widergeben.
Für mache Arten ist eine kurzzeitige Beleuchtung (ca. 2 Stunden) vorteilhaft, um eine Temperaturspitze zu erzielen. Das kann verpaarte Weibchen - Avicularia Arten werde hier oft genannt - zum Kokonbau anregen.
Einige Arten bevorzugen eher kühlere Temperaturen (Theraphosa blondi, Megaphobema mesomelas), hier ist eine Beleuchtung nicht zu empfehlen!
Von Bodenheizungen ist vor allem bei Bodenbewohnern abzusehen. In der Natur ist die einzige Wärmequelle die Sonne. Daher graben sich Vogelspinnen in die tieferen, kühleren Erdschichten vor, wenn es ihnen auf der Oberfläche zu warm wird. Eine Bodenheizung wirkt diesem Instinkt entgegen!

Pflanzen:

Hier muss jeder Pfleger seine eigenen Erfahrungen sammeln und seine Wahl treffen.

Lebende Pflanzen tragen zur Verbesserung des Mikroklimas bei, sind jedoch der Willkür unserer achtbeinigen Pfleglinge ausgeliefert.
Einige Arten graben gerne ihr Terrarium um und dekorieren dieses nach ihren eigen Vorstellungen neu.
Andere Arten überweben die in ihr Zuhause eingebrachten Pflanzen und nehmen ihnen somit somit das lebensnotwendige Licht.

Wir verwenden ausschließlich Kunstpflanzen, diese können leicht gereinigt werden, benötigen keine Pflege und sind gegen die Launen unserer Achtbeiner unempfindlich.

Einrichtung:

Als Einrichtung für unsere Terrarien verwenden wir Rindenstücke, Kokosnusshälften und halbierte Blumentöpfe sowie die zuvor genannten Kunstpflanzen.
Eine Trinkschale (Blumentopfuntersetzer) vervollständigt die Einrichtung unserer Terrarien.
Dieser Punkt wird auch immer wieder kontrovers diskutiert.
Mancher Spinnenhalter hält eine Trinkgelegenheit für unnötig, wir beobachten jedoch immer wieder, dass diese von unseren Spinnen dankbar angenommen wird. Andernfalls sollte jeden Tag gesprüht werden, um einmal am Tag die Wasseraufnahme zu ermöglichen.

Regelmäßige Arbeiten/Fütterung:

Eine Kontrolle der Tiere sollte täglich durchgeführt werden.
Bei adulten Tieren ist eine wöchentliche Fütterung empfehlenswert, Jungtiere können häufiger gefüttert werden. Allerdings sollten sie nicht überfüttert werden, da  der Körper sonst schneller wächst, als es der Spinne zuträglich ist.

Die Trinkschalen sollten regelmäßig gereinigt und neu befüllt werden, regelmäßiges Übersprühen bzw. Gießen der Terrarien sorgt für die nötige Luftfeuchtigkeit, Staunässe bzw. Stauluft ist unbedingt zu vermeiden.

Stauluft/-nässe bietet beste Voraussetzungen für Schimmelbildung, was den Spinnen zum Verhängnis werden kann. Setzt sich ein Pilz in den Buchlungen der Tiere fest, verenden diese. Avicularia Spiderlinge in Aufzuchtdosen ohne genügend Lüftungsfläche sind hiervon häufig betroffen.

Futterreste sind regelmäßig zu entfernen, da diese ebenfalls Nährboden für Pilze und Schädlinge (z.B. Buckelfliegen) sind.

Nicht erbeutete Futtertiere sollten bald aus dem Terrarium genommen werden.
Schlimmstenfalls können diese eine Spinne während oder nach der Häutung anfressen und somit einem unserer Lieblinge den Gar ausmachen.

Häutung:

Spinnen häuten sich im Laufe ihres Lebens regelmäßig, um zu wachsen. Die Intervalle sind bei Jungspinnen viel kürzer als bei Adulti. Eine Häutung kündigt sich manchmal an, indem die Spinnen keine Nahrung mehr annehmen oder indem die kahle Stelle am Hinterleib (gut zu sehen bei vielen Brachypelmen) sich dunkel färbt. Oft genug kommt es aber auch ohne Vorzeichen zur Häutung. Deshalb sind Futtertiere am besten noch am selben Tag aus dem Terrarium zu nehmen.
Zur Häutung legen sich die Spinnen im allgemeinen auf den Rücken. Niemals umdrehen! Die Spinne könnte durch die Störung die Häutung abbrechen und sterben.

Aufzucht:

Bei der Aufzucht von Jungspinnen ist Geduld gefragt. Viele Halter versuchen das Wachstum zu beschleunigen, in dem sie die Jungtiere (oft unnatürlich) warm stellen und übermäßig häufig füttern. Das Immunsystem und der ganze Organismus bleiben dabei oft auf der Strecke.
Ein Verhältnis 1:2 von Carapax zu Abdomen ist Maximum.

Gruppenhaltung:

Manche Vogelspinnenarten lassen sich in Gruppen aufziehen und halten.
Bei vielen Poecilotheria-Arten wachsen die Jungspinnen so viel schneller. Andere Arten, bei denen eine Gruppenhaltung möglich ist, sind z.B. Holothele incei und Heterothele villosella.
Monocentropus balfouri scheint hier die Krönung zu sein: Jungtiere die im dritten Larvenstadium von der Mutter getrennt werden überleben nur in seltenen Fällen ohne die Nähe von Mutter und Geschwistern. Die Mutter lässt ihre Jungen an Beutetieren mitfressen. Dieses Verhalten ist auch von Poecilotheria und Tapinauchenius bekannt. Während man bei diesen und den oben genannten Gattungen aber nur von einer Duldung der Jungtiere untereinander sprechen kann, versorgen bei M. balfouri die kräftigeren Jungtiere schwächere Geschwister, indem sie extra für diesen Zweck ein weiteres Beutetier töten, um es dann dem kleineren zu überlassen.
Das Verhalten von M. balfouri lässt sich also als echt sozial bezeichnen, während man bei den anderen Gattungen von semisozialem Zusammenleben spricht.


Die hier gegebenen Ratschläge stammen aus unserer eigenen Erfahrung.
Wir wollen nicht behaupten, dass die hier gegebenen Tips der einzige Weg zum Erfolg sind. Für Fragen und Anregungen sind wir jederzeit offen!